Kiffen in Bern?

Die jüngst aufgetauchte Meldung über das geplante "Kiffen auf dem Bundesplatz" sorgt bei Gegnern wie auch Befürwortern der Hanfinitiative für rote Köpfe. Dabei zeigt sich auch, dass gewisse Medien zu fundiertem Journalismus offenbar nicht fähig sind, sondern höchstens noch zur Verbreitung von reisserischen Schlagzeilen taugen.

Die Idee des Patrick H.

Die Schweizer Hanf-Koordination als Befürworterin der Hanf-Initiative ist über das eigenmächtige Handeln des Berners Patrick H. gar nicht erfreut. Bekanntlich hat dieser als Privatperson via Internetforum "facebook" zu einer Kiff-/Alkohol-Party (je nach Abstimmungsausgang) aufgerufen.

Eine Alkohol-Party zu lancieren um im Falle eines "Nein" gegen die Doppelmoral und Unverhältnismässigkeit der Gesetzgebung zu protestieren, ist unsererseits gerade noch nachvollziehbar. Proteste gehören zur Demokratie dazu - wenn eine Gesellschaft mit gerechtfertigter Kritik nicht mehr umzugehen vermag, dann hat sie ein massives Problem.

Aber die Absicht, bei einem "Ja" ein Kiff-Gelage zu veranstalten, ist absolut kontraproduktiv und Wasser auf die Mühlen der Hanf-Gegner. Denn wer ist die Hauptzielgruppe eines so jungen Mediums wie Facebook? - Genau, die Jugendlichen... Dabei ist eine kiffende Horde von Schülern und Lehrlingen auf dem Bundesplatz sicher nicht im Sinne der Initiative - im Gegenteil!!!

Einer von vielen bösen Kommentaren zum geplanten "Bundesplatz-Kiffen". Wie verhärtert die Fronten sind, zeigt sich am Niveau der "Diskussion": Der Veranstalter wird pauschal als faul und dumm bezeichnet, obwohl er sich Gedanken zur Politik macht und aktiv etwas bewegen will...



Es wäre schön, Patrick H. hätte seinen Darstellungsdrang im Vorfeld der Initative ausgelebt (als wir dringend Freiwillige für Verteil-/Versandaktionen gebraucht haben) anstatt "fünf Minuten vor Zwölf" eine derart polarisierende Idee zu lancieren. Auf der anderen Seite attestieren wir dem jungen Mann, dass er sich politisch engagiert und nicht einfach nur teilnahmslos Zuhause vor der Glotze hängt, wie viele Andere es tun.

Hauptsache Schlagzeile

Renommierte Redaktionen wie z. B. die "Neue Zürcher Zeitung NZZ" haben seit Wochen Position bezogen (egal ob Pro, Kontra oder neutral) und bieten ausführliche, fundierte Dossiers zum Thema Hanf an. Andere Medien scheinen das nicht nötig zu haben - springen aber sehr gerne aufs Trittbrett, wenn die Schlagzeile reisserisch genug ist. Speziell aufgefallen bei dieser unausgewogenen "Berichterstattung" ist der BLICK aus dem Hause Ringier.

Beim Blick gibt es keine Hanf-Dossiers, dafür immer mal wieder eine fette Headline, wenn irgendwo auf der Welt ein Joint angezündet wird oder Britney Spear zugedröhnt ohne Unterwäsche rumläuft... Jüngst hat der Blick ein "Online-Duell ums Kiffen" publiziert, bei dem sich Christa Markwalder und Toni Bortoluzzi im Chat den Fragen zur Hanfinitiative gestellt haben. Schöne und neutrale Fotos, oder?

zum Hanf-Chat auf der Blick-Website Die Original-Fotomontage auf der Website des "Blick":

Toni Bortoluzzi in der Pose des besorgten, kämpferischen Milizlers,
Christa Markwalder dagegen wirkt kaltschnäuzig und aufgeblasen...



Unser Alternativ-Vorschlag Nr. 1:


So sähe die Sache doch schon etwas anders aus...



Unser Alternativ-Vorschlag Nr. 2:


Oder so...
Soviel zur "Macht der Bilder" - der Blick beweist, dass er über eine absolut kompetente und neutrale Bildredaktion verfügt  ;-)

Ebenso un-repräsentativ ist sind die weiteren Elemente dieses "Berichtes": In der dazugehörigen Video-Umfrage kommen grösstenteils Teenager in HipHop-Montur zu Wort, das Video-Standbild zeigt eine freakige Alt-68erin in Hippie-Klamotten. Wenn es einen Förderungspreis für Klischées gäbe - der Blick würde ihn gewinnen...!

zum Hanf-Chat auf der Blick-Website Das Video-Standbild auf der Website des "Blick":

Alles andere als repräsentativ - Alt-68er und Jung-Gangstas werden ins Zentrum der Debatte gerückt...

Klar, über diese Beispiele und deren Darstellung kann man streiten, denn Menschen sind (und sehen) subjektiv. Doch gerade deshalb sollte eine Tageszeitung einen gewissen Grad an Objektivität einhalten. Nun, der Gipfel kommt ja erst: Jetzt geht es allerdings nicht mehr um Fragen der redaktionellen Neutralität, sondern um die Frage der Meinungsfreiheit in diesem Land. Der Blick hat tatsächlich und nachweislich Inserate der Hanf-Initiative zensiert!

Blick zensiert Inserat

Im "SonntagsBlick" vom 23.11.08 hat die Schweizer Hanf-Koordination ein halbseitiges Inserat zur Publikation aufgegeben. Sogleich rief der Blick-Rechtsdienst bei uns an und drängte, unser Inserat müsse "korrigiert" werden.

Unser Inserat in der Original-Version


Das "korrigierte" Inserat im SonntagsBlick

Obwohl wir gegen diese "Korrektur" protestiert und auf die Publikation der Original-Version gepocht haben, wurde vom Blick ein retouchiertes (und in den Farben verändertes) Inserat gedruckt. Wir hatten dem Blick zusätzlich angeboten, zur rechtlichen Absicherung schriftlich Belege und Studien für die Wirksamkeit von Hanf bei der Therapie von HIV-, Krebs- und MS-Patienten vorzulegen. Doch davon wollte der Verantwortliche nichts wissen...

Juristisch sitzen wir wahrscheinlich am kürzeren Hebel, da die Medien aufgrund der grosszügigen - und grundätzlich positiven - Pressefreiheit die Hoheit darüber besitzen, was sie drucken wollen und was nicht.

Aber wir finden den Eingriff in unser Inserat total daneben - druckt dieselbe Zeitung doch auf der anderen Seite ganz andere Inserate mit wahrlich fragwürdigen Inhalten (SVP-"Messerstecher" und "Schwarze Schafe", Sex-Inserate, etc.)

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